Aus News-Mail 1/2004
Künstliche Ernährung (Hintergrundinformation)
Ein Patient muss künstlich ernährt werden, wenn er nicht essen kann oder ihn Erkankungen dazu zwingen, bestimmte Abschnitte des Gastrointestinaltraktes zu meiden oder komplett zu umgehen. Ernährt wird dabei mit bilanzierten Diäten – Zubereitungen mit exakt definierter und auf den Bedarf des Patienten abgestimmter Zusammensetzung. Es handelt sich dabei um diätetische Lebensmittel im Sinne der Diätverordnung.Man unterscheidet zwei Wege der künstlichen Ernährung.
Bei der enteralen Ernährung erfolgt die Applikation flüssiger Nahrung über eine Sonde in den Magen, das Duodenum oder das Jejunum. Je nach Indikation kommt eine nährstoff-definierte oder chemisch-definierte Formeldiät zum Einsatz. Voraussetzung für die nährstoff-definierte Formeldiät ist wie bei der üblichen oralen Ernährung die Funktion der Gastrointestinalorgane, d.h. die Verdauung und Resorption sind intakt. Diese bilanzierten Diäten enthalten Kohlenhydrate, Fette, Proteine, Vitamine, Mineralstoffe und Spurelemente. Die Ernährung mit chemisch-definierten Formeldiäten ist notwendig, wenn nur noch die Resorption funktioniert. Sie sind aus Nährstoffen wie Aminosäuren, Oligopeptiden, niedermolekularen Kohlenhydraten etc. zusammengesetzt und ermöglichen die Aufnahme ohne vorherige Aufspaltung großmolekularer Nährstoffe.
Die parenterale Ernährung erfolgt mittels Infusionslösungen über einen Venenkatheter direkt in die Blutbahn. Die Nährstoffe werden unter Umgehung des kompletten Verdauungstraktes dem Stoffwechsel zugeführt.
Bundesweit werden über 100.000 Patienten mit Ernährungstherapeutika versorgt. Angewiesen auf diese Form der Ernährung sind insbesondere Krebspatienten, Erwachsene und Kinder, die nicht schlucken können, Patienten mit Stoffwechselerkrankungen sowie geriatrische Patienten (z.B. Demenz). Die Auswertung der deutschsprachigen Literatur ergibt folgende prozentuale Verteilung der Ernährungspatienten:
21,7 % Patienten mit Bewusstseinsstörungen
38,3 % Patienten mit neurologischen Erkrankungen
5,4 % Patienten mit psychosomatischen Erkrankungen
1,2 % Patienten nach operativen Eingriffen
2,6 % Patienten mit Erkrankungen des Verdauungstraktes
19,2 % Patienten mit konsumierenden Erkrankungen
4,7 % Patienten mit Stoffwechselerkrankungen
7,0 % Patienten mit sonstiger Indikation


